Sperrstunde und Maßnahmenchaos sorgen in Kärntens Tourismus für Verzweiflung

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Ein Sturm der Empörung geht durch Kärntens Tourismus. „Seit Bekanntgabe der vorverlegten Sperrstunde – auch an Silvester – ist die Stimmung am Tiefpunkt“, bringt es Josef Petritsch, Obmann der WK-Sparte Tourismus und Freizeitwirtschaft, auf den Punkt.

In den vergangenen 22 Monaten habe die Tourismuswirtschaft versucht, jede Coronamaßnahme mit Verständnis für die schwierige Situation mitzutragen. Nun sei man aber an einem Punkt angelangt, an dem das Verständnis aufhört.

„Seit fast zwei Jahren sperren wir unsere Betriebe auf und zu und müssen uns stets auf neue Verordnungen und Auflagen einstellen. Dieses ständige Hin und Her ist nicht nur zermürbend und frustrierend, sondern nimmt unserer Branche jede wirtschaftliche Planbarkeit. Morgen gilt nicht mehr, was gestern angekündigt wurde.“

Damit verbunden seien enorme finanzielle Verluste, die auch durch die Unterstützungsleistungen nicht abgedeckt werden. „So treibt man eine ganze Branche in den Ruin“, mahnt Petritsch. Ernüchternd sei vor allem die Tatsache, dass die Tourismuswirtschaft immer wieder aufs Neue als Sündenbock für die Versäumnisse der Politik herhalten müsse.

„Die Politik hat offenbar noch immer nicht erkannt hat, dass wir Teil der Lösung sind – und nicht des Problems“, ärgert sich auch Stefan Sternad, Obmann der WK-Fachgruppe Gastronomie. In den Gastronomiebetrieben habe es bisher kaum Infektionen oder gar Cluster gegeben, da man sich stets vorbildlich an die geltenden Maßnahmen gehalten habe, betont der WK-Wirtesprecher,

„Mit Sicherheitskonzepten, 2G-Kontrollen, Registrierungen und Gäste-Platzierungen haben wir für unsere Gäste ein sehr sicheres Umfeld geschaffen. Trotzdem entscheidet sich die Politik dafür, die Silvester-Feierlichkeiten in den privaten Raum zu verlegen. Dafür fehlt mir jedes Verständnis.“ Die Politik könne nicht ernsthaft davon ausgehen, dass die Menschen Silvester heuer auslassen und nicht feiern werden.

„Niemand wird sich zwei Stunden vor Mitternacht ins Bett legen. Die Feiern werden ab 22 Uhr einfach in den privaten Raum verlegt werden, wo es dann keine Kontrollen gibt und keine Abstände eingehalten werden. Wo hier der große Vorteil für die Pandemiebekämpfung sein soll, ist mir unerklärlich“, so Sternad. Zu befürchten sei, dass ab heute eine Storno-Welle in Gastronomie und Hotellerie einsetzen wird. „Kontaktbeschränkungen wird es im privaten Umfeld aber nicht geben. Damit erreicht man nur, dass die Feiern in die eigenen vier Wände verlegt werden.“

Nach dem Aus des ermäßigten Steuersatzes sei dies nun der nächste Tiefschlag gegen die Tourismusbetriebe. Um die Umsatzeinbußen abzufedern, müsse nun zumindest der fünfprozentige Mehrwertsteuersatz verlängert werden. „Genau diese Unterstützung braucht unsere Branche jetzt dringend – schließlich sind wir auch jetzt wieder diejenigen, die von den Coronamaßnahmen als Erste und am massivsten betroffen sind“, fordert Spartenobmann Josef Petritsch. „So würde man unseren Betrieben die Möglichkeit geben, dieses große Minus zumindest teilweise zu verringern.“

Andernfalls werde man sich im internationalen Wettbewerb kaum noch behaupten können, da eine Verlängerung der ermäßigten Steuersätze in Österreichs Nachbarländern bereits beschlossen wurde. „In Deutschland gilt noch bis Ende 2022 ein ermäßigter Steuersatz von 7 Prozent, in Ungarn sind es 5 Prozent und in der Schweiz nur 3,7 Prozent. Diese Steuerermäßigung ist die Basis dafür, dass die Betriebe ihre Preise trotz steigender Kosten gleich belassen können. In Österreich wird die Tourismuswirtschaft nun aber zu Preiserhöhungen gezwungen“, so Petritsch.

Für viele Gastronomiebetriebe werde die Verlängerung des reduzierten Mehrwertsteuersatzes überlebensnotwendig sein, betont Sternad: „Unsere Branche steht mit dem Rücken zur Wand. Viele Investitionen und Aufwendungen werden mit den bisherigen Hilfs- und Unterstützungsmaßnahmen nicht abgegolten. Deshalb ist es umso wichtiger, der Branche eine langfristige Perspektive für die Zukunft und einen unkomplizierten Liquiditätsschub geben zu können.“


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