Deutsche Unternehmen bei Internetausfall schnell am Limit

| Technologie Technologie

Die deutsche Wirtschaft ist nach aktuellen Erkenntnissen nur unzureichend auf hybride Bedrohungen und Sabotageakte vorbereitet. Eine Befragung des Digitalverbands Bitkom unter 604 Unternehmen zeigt, dass die Betriebsfähigkeit bei einem Ausfall der Internetverbindung im Durchschnitt bereits nach 20 Stunden endet. Während 21 Prozent der Betriebe ihre Arbeit sofort einstellen müssten, sehen sich lediglich 8 Prozent in der Lage, einen Ausfall von mehr als 48 Stunden zu überbrücken.

Hohes Gefährdungspotenzial durch hybride Angriffe

Angesichts internationaler Spannungen stufen 83 Prozent der Unternehmen das Risiko einer ernsthaften Krise durch hybride Angriffe als hoch ein. Besonders gefährdet sehen die Befragten die Energieversorgung mit 90 Prozent sowie den Finanz- und Versicherungssektor mit 89 Prozent. Auch die Wasserversorgung und das Gesundheitswesen werden als kritische Punkte genannt. Erfolgreiche Attacken auf diese Sektoren hätten laut Umfrage massive Auswirkungen auf die eigene Geschäftstätigkeit, wobei die Abhängigkeit von der Energieversorgung mit 97 Prozent am stärksten gewichtet wird.

Bitkom-Präsident Dr. Ralf Wintergerst betont, dass hybride Angriffe in einer Grauzone zwischen Krieg und Frieden längst Realität seien. Er fordert eine deutliche Steigerung der Resilienz und warnt davor, sensible Infrastrukturdaten wie Standorte von Datenleitungen öffentlich zugänglich zu machen.
 

Lücke zwischen Risikobewusstsein und Vorsorge

Obwohl 59 Prozent der Firmen es für wahrscheinlich halten, selbst Ziel einer Attacke zu werden, bezeichnen sich nur 12 Prozent als gut vorbereitet. Fast 80 Prozent stufen ihre Vorbereitung als eher schlecht oder gar nicht vorhanden ein. Die Umsetzung konkreter Schutzmaßnahmen variiert in der Praxis stark. So verfügen 58 Prozent über alternative Kommunikationsmittel und 57 Prozent führen Datensicherungen mit regelmäßigen Wiederherstellungstests durch.

Etwa die Hälfte der Unternehmen nutzt Ausweicharbeitsplätze oder Homeoffice-Optionen. Jeweils 28 Prozent haben ein Krisenmanagement oder eine zusätzliche Lagerhaltung etabliert, während lediglich 20 Prozent eine Notstromversorgung besitzen. Nur jedes zehnte Unternehmen führt bisher regelmäßige Krisenübungen durch.

Ein weiteres Problem stellt der potenzielle Personalmangel im Ernstfall dar. Viele Unternehmen wissen nicht, wie viele ihrer Mitarbeiter im Zivilschutz oder bei der Bundeswehr engagiert sind und somit bei einer Mobilisierung fehlen würden. Schätzungen gehen von einem durchschnittlichen Ausfall von 9 Prozent der Belegschaft aus.

Forderungen an Politik und Sicherheitsbehörden

Die Wirtschaft sieht den Staat in der Pflicht. Lediglich 22 Prozent der Unternehmen fühlen sich durch Sicherheitsbehörden ausreichend über potenzielle Gefahren informiert. Gleichzeitig vertrauen 80 Prozent im Ernstfall auf Informationen staatlicher Stellen wie das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik. Die Erwartungen an die Politik sind deutlich formuliert. 79 Prozent fordern verpflichtende Sicherheitsstandards mit praxisnahen Leitlinien, während 68 Prozent staatliche Förderprogramme für Sicherheitsmaßnahmen befürworten. Zudem wünschen sich 71 Prozent eine Informationskampagne zum Verhalten bei Angriffen und rund die Hälfte der Unternehmen plädiert für regelmäßige bundesweite Krisenübungen unter Einbeziehung der Wirtschaft und Bevölkerung.


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

Booking Holdings plant eine Investition von 100 Millionen US-Dollar in Vayo. Der Reiseassistent startet zunächst in einer geschlossenen Testphase und soll auch Buchungen außerhalb des Konzerns verwalten.

Auch die Radisson Hotel Group integriert ihre Hotelsuche in ChatGPT. Nutzer können dort Hotels vergleichen und Preise prüfen, bevor sie zur eigentlichen Buchung auf die Radisson-Website wechseln.

RateBoard stellt einen in seine Software integrierten KI-Revenue Manager und ein personalisierbares Dashboard vor. Die KI beantworte Fragen zum eigenen Hotel und gebe Empfehlungen; Entscheidungen über Preise und Verfügbarkeiten blieben beim Hotel.

Mews bündelt Gästenachrichten aus mehreren Kanälen und führt neue Automatisierungen für Hotelabläufe ein. Die Funktionen verbinden KI-gestützte Antworten mit Regeln für wiederkehrende Aufgaben.

Eine Studie des TÜV-Verbands und BSI zeigt Lücken beim Schutz deutscher Unternehmen vor KI-gestützten Cyberangriffen. Gleichzeitig fehlen in vielen Betrieben spezielle Prozesse für Sicherheitsvorfälle rund um Künstliche Intelligenz.

Airbnb ergänzt seine Plattform um KI-Suche, Reiseempfehlungen persönlicher Kontakte und weitere Dienstleistungen. Heise berichtet zugleich über unbeantwortete Fragen zu Serverstandorten und Datenschutzmaßnahmen beim Einsatz von KI-Drittanbietern.

Lola gehört zu Booking Holdings und verbindet als KI-Assistent Empfehlungen mit Buchungen von Hotels, Restaurants und Aktivitäten. Neben einer kostenlosen Mitgliedschaft gibt es zwei kostenpflichtige Varianten mit zwölfmonatiger Bindung.

SIDES hat ein Empfehlungsprogramm für die Vermittlung von Gastronomiebetrieben gestartet. Die Prämie beträgt je nach Größe des neuen Kunden bis zu 1.800 Euro.

 

Stellenanzeigen mit KI schreiben, Bewerbungen automatisch vorsortieren und künftig sogar Bewerbungsgespräche von einer KI führen lassen – fast jedes achte Unternehmen setzt KI im Bewerbungsprozess heute bereits ein, alle anderen können sich dies für die Zukunft vorstellen.

HotelNetSolutions hat eine Schwachstelle beim Zugriff auf Buchungsdaten geschlossen. Ein technischer Hinweis deutet auf einen Angriff spätestens am 20. August 2026 hin.