Wirtschaftsverbände warnen vor Verpackungssteuer wie in Tübingen

| Politik Politik

Vor dem Hintergrund der möglichen Einführung einer Verpackungssteuer auf Einwegprodukte in der Millionenstadt Köln warnen Branchenverbände vor negativen Auswirkungen für betroffene Unternehmen. Zusätzliche Steuern böten «keinen Anreiz», sich mehr zur Reduktion von Plastikmüll zu engagieren, erklärte etwa Stefan Genth, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands. Deutschland (HDE).

«Besser wäre es mit den Unternehmen gemeinsam eine Lösung zu suchen, die praktikabel ist und nicht die Menschen vor große finanzielle Herausforderungen stellt», erklärte Genth. Der Kölner Stadtrat will darüber beraten, ob die Metropole am Rhein eine Verpackungssteuer nach dem Vorbild der Stadt Tübingen in Baden-Württemberg einführt.

Grünes Licht vom Bundesverfassungsgericht für Tübinger Steuer

Tübingen erhebt seit Anfang 2022 eine Steuer von 50 Cent auf Einwegverpackungen wie Kaffeebecher, 50 Cent für Einweggeschirr wie Pommesschalen und 20 Cent auf Einwegbesteck. Mit den Einnahmen aus der umstrittenen Steuer sollen die Kommunen bei der Entsorgung des Mülls unterstützt und finanziell entschädigt werden. 

Eine Beschwerde gegen die Steuer hatte das Bundesverfassungsgericht Ende Januar abgewiesen - und schuf damit Rechtssicherheit für andere Städte, die dem Beispiel folgen wollen (Tageskarte berichtete). Die Deutsche Umwelthilfe geht nach eigenen Umfragen von 120 Städten aus, die sich eine solche Steuer vorstellen könnten. Zu Jahresbeginn hatte etwa Konstanz eine Verpackungssteuer eingeführt. Neben Köln planen auch andere Städte wie Freiburg oder Bremen nachzuziehen.

Handelsverband warnt: Steuer betrifft viele kleine Unternehmen

Der HDE betonte, dass die Steuer vor allem Restaurants und Cafés, Imbisse, Dönerläden und andere kleinere Betriebe betreffe - also alle Verkaufsstellen, wo Einwegverpackungen angeboten würden. Auch Ingrid Hartges, Hauptgeschäftsführerin des Hotel- und Gaststättenverbands Dehoga, warnt vor möglichen Folgen: «Das Ziel von Verpackungssteuern, das Müllaufkommen zu reduzieren, steht in keinem Verhältnis zu den zusätzlichen finanziellen Belastungen und dem massiven bürokratischen Aufwand», schrieb Hartges in der gemeinsamen Erklärung mit dem Handelsverband. 

Umweltministerin Steffi Lemke (Grüne) hatte kürzlich im dpa-Interview die Pläne von mehreren deutschen Städten, eine Verpackungssteuer einzuführen, ausdrücklich begrüßt. Zugleich wies Lemke darauf hin, dass es auch andere Wege zur Reduktion von Plastikmüll gebe. (dpa)


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

Booking.com muss Kunden in Österreich nach der Buchung Name und ladungsfähige Anschrift privater Unterkunftgeber mitteilen. Der Oberste Gerichtshof hat die Revision der Plattform gegen die entsprechende Entscheidung der Vorinstanzen zurückgewiesen.

Die geplante Abschaffung des Rabattfreibetrags für Mitarbeiter ist im aktuellen Referentenentwurf zur Einkommensteuerreform nicht mehr enthalten. Zuvor hatten Verbände aus Hotellerie, Gastronomie und Touristik die Pläne kritisiert.

Die Wirtschaftskammer Österreich hat mit den Gewerkschaften GPA und vida einen neuen Kollektivvertrag für die Gastronomie und Hotellerie vereinbart. Ab Oktober steigen die Gehälter um durchschnittlich drei Prozent, ergänzt durch Einmalzahlungen und höhere Lehrlingseinkommen.

Bundesfinanzminister Lars Klingbeil will den steuerlichen Freibetrag für Mitarbeiterrabatte von 1.080 Euro abschaffen. Der Deutsche Reiseverband kritisiert die Pläne und verweist auf die besondere Bedeutung vergünstigter Reiseleistungen für Beschäftigte der Branche.

Sekt oder Bier bei der Konfirmationsfeier oder der Jugendweihe: Das war seit Generationen üblich. Doch die Gefahren durch Alkohol werden inzwischen viel ernster genommen. Der Gesetzgeber reagiert.

Seit dem 12. August gelten erste Vorgaben der europäischen Verpackungsverordnung PPWR verbindlich. Für Hotels und Gastronomiebetriebe kann die eigene Marke auf Verpackungen zusätzliche Verantwortlichkeiten auslösen.

Deutschlands Arbeitgeber pochen auf eine Arbeitszeit-Reform. Sie wollen - aus ihrer Sicht endlich - eine wöchentliche Höchstarbeitszeit. Der DGB warnt vor einem Rückfall ins 19. Jahrhundert.

Höhere Steuern und damit höhere Preise für Brot, Butter und Obst: Darauf zielt ein Vorschlag von Ökonom Clemens Fuest. Er will Einheitlichkeit bei der Mehrwertsteuer und im Gegenzug manche entlasten.

Ab 2027 plant Duisburg die Einführung einer Bettensteuer von drei Euro pro Nacht. Während die Stadt mit Einnahmen zur Haushaltskonsolidierung rechnet, kritisiert die Hotelbranche den zusätzlichen Aufwand und warnt vor Abwanderungseffekten.

Die Europäische Kommission will Mitgliedstaaten und Kommunen mit dem geplanten Affordable Housing Act zusätzliche Instrumente gegen Wohnungsdruck an die Hand geben. Ein Schwerpunkt des Vorhabens sind Maßnahmen im Zusammenhang mit Kurzzeitvermietungen wie Airbnb.